Wie KI Den Zugang Zu Informationen Verändert

Shynar
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Vor nur wenigen Jahren waren viele Werkzeuge für Blinde auf einfache Funktionen beschränkt: Sprachausgabe von Text, grundlegende Navigation und die Möglichkeit, Nachrichten zu diktieren. Heute ist es eine völlig neue Welt der Möglichkeiten. Künstliche Intelligenz hat gelernt, die Realität zu “sehen”, zu “verstehen” und zu “beschreiben”, und dank dessen erhalten Menschen ohne Sehvermögen Zugang zu Informationen, der früher unmöglich schien.

KI wird zu einer vollwertigen Brücke zwischen dem Menschen und einer Welt, in der alles um visuelle Informationen herum aufgebaut ist.

Die Rolle Von KI In Assistiven Technologien

Assistive Technologien kompensieren Einschränkungen und helfen dem Menschen, bequemer mit der Welt zu interagieren. KI wurde zu ihrem Schlüsselelement, weil Geräte nun Kontext analysieren, Schlussfolgerungen ziehen und dem Menschen Antworten in natürlicher Form geben können.

Hier ist, was neuronale Netze blinden Nutzern heute bieten:

  • Computersehen (Computer Vision), das die Augen ersetzt. Das Telefon oder die Kamera einer Smart-Brille analysiert den Raum, erkennt Gegenstände, Gesichter, Text und Bewegung.
  • Natürliche Sprache, die die Benutzeroberfläche ersetzt. Jetzt muss man keine Knöpfe drücken oder Befehle merken, man kann so sprechen, wie es für den Menschen bequem ist.
  • Personalisierung. KI passt sich dem Sprechtempo, Wortschatz und den Gewohnheiten des Nutzers an.
  • Kontextverständnis. Der Assistent versteht Wörter und ihre Bedeutung: Das ist besonders wichtig, wenn eine Anfrage schnell und mehrdeutig formuliert wird.

Diese Technologien werden bereits in Smartphones, Smart Speakern, AR-Brillen, Navigationsdiensten, Lernprogrammen und Arbeitswerkzeugen eingesetzt.

Anwendungen Für Navigation, Sprachschnittstellen

Navigations-Apps

Navigation ist eine wichtige Aufgabe, bei der KI blinden Menschen hilft. Traditionelle GPS-Apps wurden für Sehende entwickelt und berücksichtigten viele Nuancen nicht: Bordsteine, Treppen, laute Kreuzungen, das Fehlen akustischer Orientierungspunkte.

Moderne KI-Apps leisten viel mehr:

  • Sie beschreiben die Umgebung: „vorne offener Raum“, „links Wand“, „rechts Parkplatz“.
  • Sie melden Hindernisse: Pfosten, Bordsteine, temporäre Absperrungen, Pfützen, Stufen.
  • Sie erkennen Text und Schilder: Busnummern, Gebäudeaushänge, Straßenschilder.
  • Sie sagen die Bewegung von Objekten voraus: wenn in der Nähe ein Fahrrad fährt, ein Hund vorbeiläuft oder ein Auto fährt.
  • Sie ermöglichen die Orientierung in Gebäuden: in Einkaufszentren, Büros, Flughäfen, medizinischen Einrichtungen.

Einige Lösungen nutzen bereits SLAM-Navigation: eine Technologie, die bei Robotern eingesetzt wird. Sie ermöglicht es, eine Karte in Echtzeit zu erstellen und den Nutzer mit hoher Genauigkeit zu führen.

Sprachschnittstellen (Voice Interfaces) 

Die Stimme ist die natürlichste und zugänglichste Schnittstelle für Blinde. Sie erfordert keine Hände, Sehvermögen, spezielle Fähigkeiten oder komplexe Befehle.

Mit der Stimme kann man:

  • eine Nachricht oder einen Brief schreiben;
  • im Internet nach Informationen suchen;
  • das Telefon und Apps steuern;
  • zuhause Geräte einschalten;
  • die Navigation steuern;
  • Dokumente erstellen;
  • mit Notizen und Kalender arbeiten;
  • Text übersetzen;
  • mit einer KI kommunizieren, die in Echtzeit mit der Stimme antwortet.

Sprachntechnologien werden so präzise, dass sie manchmal eine vollwertige Bildschirmoberfläche ersetzen.

Wie Neuronale Netze Lernen, Kontext Und Stimme Zu Verstehen

Damit ein Assistent Sprache so gut verstehen kann wie ein Mensch, ist eine enorme Menge an Training erforderlich:

  1. Training auf großen Audio-Korpora.
    Das Modell hört verschiedene Stimmen, Akzente, Intonationen, Slang und emotionale Nuancen.
  2. Kontextuelle Interpretation.
    Neuronale Netze analysieren nicht einzelne Wörter, sondern die gesamte Bedeutung eines Satzes. Sie verstehen zum Beispiel den Unterschied zwischen „öffne die Tür“ und „öffne die Datei „Tür““.
  3. Dialoglogik.
    Der Assistent lernt, ein Gespräch zu führen, Anfragen zu präzisieren, Fehler zu korrigieren und Optionen vorzuschlagen.
  4. Anpassung an eine bestimmte Person.
    Der Sprachassistent versteht mit der Zeit gebräuchliche Ausdrücke und den individuellen Sprachstil.

Letztendlich beginnt die KI, nicht wie ein Roboter, sondern wie ein Gesprächspartner zu arbeiten – das ist für blinde Nutzer, die eine intuitive Art der Interaktion mit Geräten benötigen, entscheidend wichtig.

Vorteile und Grenzen der Sprachinteraktion

Vorteile

  • Vollständige Freiheit. Man kann das Gerät steuern, während man auf der Straße geht oder sich in einem dunklen Raum befindet.
  • Hohe Geschwindigkeit. Sprechen ist schneller als Tippen.
  • Inklusivität. Geräte werden ohne spezielle Fähigkeiten zugänglich.
  • Komfort. Die Stimme ersetzt komplexe Oberflächen, Menüs und Knöpfe.
  • Personalisierung. Das System merkt sich die Gewohnheiten des Nutzers und verbessert die Ergebnisse.

Grenzen

  • Lärm und schlechte Verbindung verringern die Erkennungsgenauigkeit;
  • Die Privatsphäre der Daten bleibt eine relevante Frage;
  • Einige Befehle bleiben unzugänglich oder erfordern eine präzisere Formulierung;
  • KI kann mehrdeutige Anfragen manchmal falsch interpretieren;
  • Abhängigkeit von einem Server oder Internet bei den meisten Anwendungen.

Jedes Update der Modelle verringert diese Probleme erheblich.

Die Rolle in Bildung, Arbeit und Alltagsaufgaben

Bildung

KI hat den Ansatz zur Bildung blinder Menschen vollständig verändert:

  • Vorlesen von Lehrbüchern und wissenschaftlichen Artikeln über OCR;
  • Erklärung komplexer Themen in einfacher Sprache;
  • Möglichkeit, unendlich viele Fragen zu stellen;
  • Sprachausgabe von Grafiken, Diagrammen und Tabellen;
  • Hilfe bei der Erstellung von Projekten und Präsentationen;
  • Sprachenlernen mit Hilfe von Sprachdialogen.

Das Lernen ist jetzt individuell geworden: KI passt sich dem Tempo und Stil des Lernenden an, nicht umgekehrt.

Arbeit

Im beruflichen Bereich hilft KI bei:

  • Verfassen von Briefen, Berichten, Dokumenten;
  • Planung von Aufgaben;
  • Analyse von Textdaten;
  • Vorbereitung von Reden und Präsentationen;
  • wesentlich schnelleren Ausführung von Routinearbeiten;
  • Echtzeit-Übersetzung von Dokumenten.

Dank Sprachassistenten können blinde Fachkräfte in verschiedenen Bereichen arbeiten: von Marketing und Kundensupport bis hin zu Programmierung und Analytik.

Alltagsaufgaben

KI ist bei häuslichen Aufgaben unverzichtbar geworden:

  • Hilft bei der Kleiderwahl, indem sie Farben bestimmt;
  • Liest Anleitungen und Speisekarten im Café;
  • Erkennt Verpackungen und Produkte;
  • Hilft bei der Orientierung in neuer Umgebung;
  • Übersetzt fremdsprachige Aufschriften;
  • Beschreibt Fotos und Videos.

Solche Kleinigkeiten formen das Wichtigste: das Gefühl der Selbstständigkeit.

Wie Sprach-KIs (ChatGPT Voice, Alexa, Siri) Blinden Nutzern Helfen

Sprachassistenten sind zu einem zentralen Element der digitalen Barrierefreiheit geworden:

  • ChatGPT Voice antwortet mit natürlicher Stimme, versteht komplexen Kontext, beschreibt Bilder und hilft beim Lernen und Arbeiten.
  • Alexa steuert das Smart Home, erinnert an Aufgaben, liefert Nachrichten und kontrolliert Haushaltsgeräte.
  • Siri führt auf dem iPhone sofort Befehle aus, hilft bei der Informationssuche, der Verwaltung von Apps und der Nutzung von Barrierefreiheitsfunktionen.

Diese Assistenten arbeiten schnell, natürlich und ohne visuelle Oberflächen, was sie für blinde Nutzer maximal komfortabel macht.

Beispiele erfolgreicher Lösungen: Seeing AI, Be My Eyes, Envision AI

Seeing AI (Microsoft)

Seeing AI ist eine kostenlose App von Microsoft, die die Smartphone-Kamera in ein “intelligentes Auge” verwandelt. Sie kann die Umgebungsszene beschreiben, Menschen, Emotionen und Alter erkennen, Text von Dokumenten lesen, Produkte am Barcode identifizieren, Währungen benennen und Farben ansagen. Besonders nützlich in Alltagssituationen: vom Lesen von Briefen bis zum Verständnis, was sich in der Umgebung befindet.

Be My Eyes (Virtual Volunteer)

Be My Eyes begann als Dienst, der blinde Nutzer über Videoanrufe mit Freiwilligen verbindet. Heute gibt es darin die Funktion Virtual Volunteer: einen KI-Assistenten, der Fotos beschreibt, bei der räumlichen Orientierung hilft, Fragen zu Gegenständen und Oberflächen beantwortet und – am wichtigsten – funktioniert, ohne einen Menschen hinzuschalten. Das macht den Helfer rund um die Uhr verfügbar.

Envision AI

Envision AI ist eine leistungsstarke App zum Lesen von Text und Erkennen der Umgebung. Sie kann Dokumente, Briefe und Bildschirme scannen, Szenen in Echtzeit vorlesen und Gesichter erkennen. Die App ist in die Envision Glasses integriert, was es ermöglicht, visuelle Informationen “mit freien Händen” zu erhalten – sehr praktisch in Universitäten, Geschäften, Büros und im Transportwesen.

Weitere nützliche Ressourcen finden Sie in unserem Katalog

Fazit

Künstliche Intelligenz ist zum Hauptwerkzeug der digitalen Barrierefreiheit geworden, und ihr Einfluss wächst nur. Sprachmodelle werden immer genauer, Geräte erhalten neue Sensoren, Navigations-Apps werden intelligenter und das Computersehen schneller und zuverlässiger.

Die Zukunft der Inklusion ist eine Welt, in der ein Mensch mit jedem Grad an Sehvermögen frei lernen, arbeiten, reisen, kommunizieren und Technologien steuern kann.

KI verändert das Konzept der Unabhängigkeit selbst. Sie löscht Grenzen, macht den Raum freundlicher und verwandelt Barrieren in Möglichkeiten. Und dieser Prozess läuft bereits – jeden Tag.

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